Schuberts «Die Forelle» mal ganz anders

Passend zur einsetzenden Fischwanderung im April trafen sich die Junior Ranger zum eher ausgefallenen Modul «Fischen im Naturschutzgebiet». An dieser Stelle nochmal ein grosses Dankeschön an den Fischereiverein Flaach und seine Mitglieder, ohne die dieses Modul nicht zu Stande gekommen wäre. Was macht ein Fischer eigentlich? Was bedeutet Fischen für jemanden? Worauf gilt es, zu achten? Was sind die typischen Tipps und Tricks, um erfolgreich zu sein? Diese und noch viele, viele Fragen mehr konnten in diesem Modul beantwortet werden.

Vorbereitung ist wohl alles

Das Modul wurde ausführlich bei den Junioren angekündigt, sodass anfallende Fischereibegeisterte mit Glanz und Glorie aufwarten konnten. Zu meiner Überraschung waren die Junioren je jünger desto professioneller ausgerüstet: Watthosen, Angelrute, Kescher, Köder und selbst ein Wurmeimer. Natürlich durfte ich, nach der Verabschiedung der Eltern, für die Junioren fast alles tragen.

So gingen wir voller Erwartung an den Thurspitz, um die Fischer zu treffen. «Fangen wir heute was, Dario?» – «Woher soll ich das wissen, liegt ja irgendwo an euch, ich esse keinen Fisch.» – «Ja, aber dann können wir ja den Fisch auch mit nachhause nehmen, oder?» – «Das ist auch irgendwo der Sinn und Zweck, Kinder.» – «Darf ich mit einem Köderfisch angeln? Dürfen wir eigentlich am Fluss angeln? Was für Fische angelt man denn hier? Ich will aber keine Fische töten, was machen wir dann?». Fragen über Fragen über Fragen. Sie waren kaum zu bremsen. Ich entgegnete, dass wir uns genau deshalb mit den Fischern treffen, um all das beantwortet zu bekommen. Das Schritttempo legte daraufhin gewaltig zu, sodass wir in Nullkommanix den Thurspitz erreichten.

Der Fischereiverein Flaach

Am Thurspitz angekommen, erwarteten uns bereits die Fischer. Der Pächter des Fischereireviers Hans und einige seiner Mitfischer. Da wir in Wassernähe agierten, war es nicht schlecht, einige Aufpasser in der Nähe zu haben, obwohl natürlich alle Junioren perfekt schwimmen konnten, wie sie mir mitteilten und ich mir keine Sorgen machen müsste.

Zu Beginn stellten sich die beiden Parteien jeweils vor. Zudem wurden die brennenden und grundlegenden Fragen beantwortet: Wie z.B. was ist eigentlich eine Pacht, warum ist es an der Thur ein privates Fischerreichrecht, was die Gemeinde Flaach ausstellen kann und kein kantonales Fischereirevier, was benötigt man für Patente/Ausweise, um hier fischen zu dürfen und auf welche Fische angelt man hier im Gebiet.

Petri Heil und Habitatsstrukturen

Da es am Thurspitz mit knapp 10 Personen doch eher eng werden kann, wurden die Junioren jeweils in kleinere Gruppen aufgeteilt. Ein Teil konnte mit den Fischern das Auswerfen üben und sich ein paar Techniken aneignen oder sogar schon eigenständig Angeln, der andere Teil machte bei mir (natürlich total langweilige) Theorie.

In der theoretischen Unterweisung, die mir sehr wichtig ist, erfuhren die Junioren, dass durch die Renaturierung der Thur nicht einfach «nur» die Kanalsteine entfernt, sondern auch diverse Strukturen im Wasser gefördert wurden, da die verschiedenen Fischarten in der der Thur unterschiedliche Anforderungen an ihre Umgebung stellen. So diskutierten wir, welche Strukturen für welchen Fisch wichtig sind und somit auch schon erste Techniken, um diese Fische im Gewässer überhaupt ausfindig zu machen. Zudem musste den Junioren auch klar gemacht werden, dass nicht alle Fische überall gleich häufig vorkommen und somit geangelt werden können. Ein Fluss hat von der Quelle bis zur Mündung immer Abschnitte, in dem die drei wichtigsten Umweltfaktoren: Sauerstoffgehalt, Strömungsgeschwindigkeit und Temperatur unterschiedliche Arten fördern. So kommt es, dass wir in Flaach, an der Thurmündung, eher auf Barben (Barbus barbus) fischen, als auf Forellen (Salmo trutta), die eher sehr sauerstoffhaltiges Wasser «frisch von der Quelle» sozusagen, bevorzugen.

Am Spitz selbst, probierten sich die Junioren dann einmal am Auswerfen, Köder anbringen, generell dem Handhaben der Rute. Die Fischer Matthias, Michael und Andreas haben eine Menge Geduld beweisen, danke auch noch einmal für eure Ausdauer. Nicht selten wurden Schnüre übereinandergeworfen oder Köder an Steinen unter Wasser verloren. Die Profi-Fischer-Junior Ranger hatten sowie so alles im Griff …

Es war immer wieder schön zu sehen, dass die Junioren, die noch nie gefischt haben auch mit einem überraschenden Talent und einer schnellen Auffassungsgabe das Auswerfen schnell beherrschten. Mit dem Zeigefinger die Schnur halten, mit der anderen Hand den Bügel lösen, ausholen und beim Auswerfen beide Hände in einer Vorwärtsbewegung vom Körperstecken.

Das «savoir vivre» des Fischens

Natürlich wirft man die Angel nicht einfach aus und steht dann für Stunden am Ufer auf freudiger Erwartung auf einen Biss. Fischen ist auch etwas Entspannendes ein «social event» unter Gleichgesinnten, in dem man auch mal abschalten und sich erholen kann. So hat Reto, einer der Fischer, bei unsren dreimaligen Treffen jedes Mal ein Feuer für die Junioren vorbereitet, über dem die Cervelats gebrätelt wurden. Wo man sich mal nach dem anstrengenden Auswerfen und Einziehen und der natürlich noch mühsameren Theorie bei Ranger Dario erholen konnte. Alles in Erwartung, dass das Alarmglöckchen an der Angel endlich schellt und anzeigt, dass es einen Biss gegeben hat.

Der Schutzpatron der Fischer und Angler, Petrus war wohl nicht mit uns

Doch auch alle Geduld, die die Junioren in ihrem zarten Alter aufbringen konnten war wohl nicht genug. Es wollte einfach kein Fisch beissen. Barben und Karpfen schwammen einfach weiter. Dies natürlich sehr zur Enttäuschung der Junioren aber auch irgendwo eine gute Lektion fürs Leben. Selten klappt irgendetwas gleich zu Beginn und man muss immer und immer wieder dranbleiben, um das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat.

So ging unser Nachmittag zu Ende. Wir kamen jedes Mal mit Verspätung am Parkplatz an, da sie die Ruten partout nicht aus der Hand geben wollten. Wohl ein Zeichen dafür, dass es trotz allem ein Erfolg war 😊.

Soweit von uns allen aus den Auen.

Liebe Grüsse euer Ranger Dario und eure Junior Ranger Thurauen

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