Zurück zur Holzzeit

Im Juni war eigentlich die jährliche Olympiade angesagt, diese wurde jedoch aufgrund der unsicheren Pandemiesituation auf nächstes Jahr verschoben. So kam es, dass die einzelnen Gruppen etwas Eigenes auf die Beine stellten. Ich nutzte die Möglichkeit, um das Modul «Feuer machen» aus dem Frühjahr nachzuholen, da einige Gruppen dies aufgrund des Lockdowns nicht absolvieren konnten.

Alles nicht so leicht, wie man denkt

Wir trafen uns wie üblich am Parkplatz in den Thurauen, sofort kam eine Debatte unter den Junioren auf: „Machen wir heute Feuer?“ – „Ist doch voll einfach, man nimmt ein Feuerzeug“ – „Nein, nein, ich glaube heute machen wir Feuer mit Feuersteinen“. Muhahaha, wenn sie gewusst hätten.

Das heutige Modul drehte sich zwar ums «Feuer machen», aber eigentlich um eine sehr ursprüngliche Art des Feuermachens: mit Holz und Feuerbogen. Nach Aussagen der Junioren auch kein Hindernis, sei alles ganz einfach. Muhahaha! Wenn. Sie. Gewusst. Hätten….

Kein Feuer, ohne richtige Vorbereitung und Hintergrundwissen

Um den Junioren die Experimentierfreude nicht zu nehmen, galt es für mich das Equipment richtig vorzubereiten: Feuerbogen, Spindel, Bohrbrett, und Druckklotz. Allein mit der Herstellung und den einzelnen Feinheiten könnte man mehrere Module füllen. Darum ging es in diesem Modul aber nicht. Das Verständnis über die Technik des Feuermachens wie Körperhaltung, innere Einstellung, Wille und Geduld, das waren die Kernpunkte.

An der Hütte angekommen, haben wir nur ganz, ganz kurz die Theorie besprochen, da sich immer alle so wahnsinnig auf die Theorie freuen. Was sind die Schlüsselpunkte, um ein richtiges Feuer zu machen und was gelten eigentlich für (Verhaltens-)Regeln in der Schweiz Feuer im öffentlichen Raum?  im Wald ? im Naturschutzgebiet?  machen zu dürfen? Wo ist es erlaubt? Wann ist es erlaubt? Womit ist es erlaubt? Wie und wo kann man sich informieren? Das sind die absoluten Grundlagen, wenn es darum geht, Feuer in der Natur zu machen.

Kürzeste Theorielektion 2021. Aber eigentlich braucht man zum Feuer machen nicht wirklich mehr, denn es ist alles eine Frage der Technik.

Die Technik, die Technik!

Nachdem die Einzelheiten, besonders die der Bohrplatte besprochen wurden, ging es dran, sich einen Feuerbogen zu schnappen und sich aus zu probieren. Ich schätze (hoffe) mal, es ist den altersbedingten motorischen Fähigkeiten der Junioren geschuldet, dass es anfänglich ziemliche Probleme gab, fünf oder sechs Dinge gleichzeitig zu handhaben. Das vorbereiten der Bohrplatte mit Glimmmaterial unter/am Bohrloch, die Spindel in den Bogen spannen, den Körper bzw. den Fuss in eine angenehme Position zum Bohren bringen, mit dem Fuss die Bohrplatte beschweren, mit dem Druckklotz die Spindel fest an der Position halten, aber nicht fixieren, einheitliche waagrechte Schwünge mit dem Bogen hinzubekommen. All das verlangte ihnen ziemlich viel ab, körperlich wie geistig. Das haben auch die Junior Ranger feststellen müssen. Ich machte es einmal vor und sogleich fing es an zu qualmen (hab leider kein Foto davon :P)   

Strebsam und tüftelnd versuchte es einer nach dem anderen. Einmal wird der Fuss als Gewicht für die Bohrplatte vergessen. Mal spannte man die Spindel nicht richtig oder drückte durch das Verkrampfen der Arme den Druckklotz zu fest auf. «Warum geht das nicht?» durfte ich mir an dem Tag eigentlich am meisten anhören. «Es braucht Geduld und Technik und keine rohe Gewalt und Schnelligkeit» antwortete ich. Nicht alles geht einfach im Leben.

Erste Glut und dann doch noch Erfolg?

Nach den genannten, anfänglichen Schwierigkeiten hörte man es im ganzen Wald bohren und schimpfen. Bei einigen sprang die Spindel raus, bei anderen war der Zunder nicht gut vorbereitet, die anderen wollten nicht wahrhaben, dass der Fuss auf´s Holz gehört, damit die Bohrplatte nicht rutscht. Doch oh Wunder, hier und da konnte man etwas glimmen sehen.

Dass der Zunder sehr fein und extrem trocken sein muss, wollte man mir an den Tagen wohl widerlegen. Man nahm, trotz mehrerer Hinweise, alles was auch nur im Ansatz hätte Feuer fangen können. Das Ende vom Lied war, dass es zwar rauchte und kurz glomm, aber mehr passierte auch nicht.

Ich habe natürlich vorgesorgt, damit man nicht ganz enttäuscht nach Hause ging. Unbeobachtet machte ich den Feuerplatz parat und startete mit einem Feuerzeug das Feuer. «ICH HABE ES GESCHAFFT!» rief ich aus. Alle Köpfe drehten sich mit Erstaunen zu mir. «WIRKLICH?» wurde ungläubig gefragt. Die älteren Junioren verdrehten schon die Augen, als sie mein diebisches Grinsen sahen und winkten ab. «Er hat bestimmt ein Feuerzeug genutzt!»- «Nein…bestimmt nicht…» hüstelte ich schwach. «war alles absolute Eigenleistung!». Ich wurde kritisch beäugt, durchsucht und man fand das Feuerzeug. «Betrüger!» wurde ich geschimpft. Ich konnte mich nicht länger beherrschen und mein, schallendes Lachen erfüllte den Wald.

Während das Grillfeuer bereit gemacht wurde, wollte man unbedingt noch noch weiter tüfteln und probieren 🙂

Die Wiedergutmachung

Aber ich kam vorbereitet. Nach all dem mühsamen Tüfteln sollte ja wenigstens etwas dabei rausspringen. Also brachte ich Stangenbrot mit und wir haben den Rest der Zeit noch etwas entspannt. Einige jedoch packte der Ehrgeiz und nach dem Essen wieder und es musste unbedingt noch einmal ausprobiert werden, ob man es nicht doch schafft, ein Feuer zu starten.

Am Ende ist es doch wichtig, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie mühsam manche Dinge doch sind und eben nicht alles auf Knopfdruck funktioniert. Beim Willen es zu probieren und die Geduld oder den Eifer aufzubingen, es weiter zu testen, haben mich die Junioren jedenfalls nicht enttäuscht. Eine starke Bande! Letzten Endes ging und geht es ja auch darum, Spass zu haben und den hatten wir.

Das nächste Modul «Abschluss» wird das letzte vor der Sommerpause sein ☹

Soweit von uns allen aus den Auen und bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüsse euer Ranger Dario und eure Junior Ranger Thurauen

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