Wild(e)zeit im Oktober für die Junior Ranger

Am Mittwoch den 30.09.2020 war es wieder soweit, das Treffen der Junior Ranger Gruppe „Biber“. Das Thema des Monats, perfekt, zur Wildzeit, war „Jagd in den Thurauen“. Die Thurauen sind ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung und schutzwürdig. Aufgrund der zahlreichen Akteursgruppen im Gebiet, wie z.B. die Jagdgesellschaft Flaach (JGS Flaach), der Fischereiverein Flaach (FV Flaach) sowie der Staatsforst (um ein Paar zu nennen), wurde damals ein Kompromiss gefunden, der erstmals in der Schweiz eine Verknüpfung von Naturschutz, Hochwasserschutz, Tourismus und dem Ausüben der Tätigkeiten der verschiedenen Vereine ermöglicht. Was genau das bedeutet, konnten die Junior Ranger am Mittwoch erleben.

Unwissenheit verunsichert

Als die Truppe zusammengefunden hat, sahen einige Kinder das erste Mal einen Fuchs aus dieser Nähe, wenn auch nur ausgestopft: Ein Präparat und kurze Leihgabe an den Rangerdienst vom Thurauenzentrum (Danke dafür). Bereits am Parkplatz wurde ich mit Fragen bombardiert: Ist das ein Fuchs oder ein Mader? Hast du ihn geschossen? Hast du ihn mit einem Messer gejagt? Sind die Augen echt? Warum ist das Fell so plüschig? Darf man hier überhaupt jagen und warum? Etc. etc.

Nach anfänglicher Beschwichtigung, liess ich die Überraschung platzen, dass wir heute mit einem Jäger aus Flaach unterwegs sind, der uns allen Rede und Antwort stehen wird. 

Wer darf den Fuchs halten und was soll das ganze Material Ranger Dario? Geht’s eigentlich noch? Die Junior Ranger beim Aufbruch in die Waldhütte in den Thurauen.

Jäger sind meist immer dann unterwegs, wenn Herr und Frau Schweizer noch in Morpheus Armen liegen oder kurz davor sind,  sich in diese hineinzulegen. Daher wissen viele Mitmenschen gar nicht so viel über die Jagd und den Jäger an sich Bescheid. An diesem schönen, sonnigen Tag ging es nicht darum, zukünftige Jäger anzuwerben. Nein. Vielmehr ging es darum, Verständnis für die Jagd zu schaffen, Aufklärung zu betreiben und Ängste zu nehmen. Problematiken von zu hohen, unkontrollierten Wildbeständen aufzuzeigen und den Vorteil eines gesunden Wildbestandes für die Region klarzustellen.

Man sieht: Grade nach dem Mittag ist die Lust auf Theorie natürlich am höchsten… Keine Sorge ich werde euch schon noch begeistert bekommen :).

Die Karte auf dem Tisch zeigt das Gebiet der Thurauen und Flaach oder auch das Jagdrevier 186 der Jagd Gesellschaft Flaach. Boa… Dario echt jetzt? Theorie… wie langweilig und auch grad noch nach der Schule. Sorry Boyz & Girlz, manchmal lässt es sich nicht vermeiden, liebe Junioren. Die Jagd ist nämlich eine der ältesten und traditionsreichsten Tätigkeiten der Menschheit.

Ein Jäger muss verdammt viel beachten und wissen. Wald- und Tierkunde, eine eigene Sprache, das sog. Jägerlatein, bundesweite und kantonale Verordnungen, korrekte Waffenhandhabung und viele, viele Reglementierungen, an die sich der Jäger halten muss, um als solcher überhaupt arbeiten zu dürfen.

Naturschutz, Landwirtschaft und Tierwohl in einem Boot

Jäger Ramon stellt sich den Junior Rangern vor und erklärt die Grundprinzipien der Jagd.

Hier ist er, Jäger Ramon. Er zeigte uns die Aufgaben eines Jägers in einer landwirtschaftsreichen Region wie dem Züricher Weinland.

Die Thurauen sind ein kleines Paradies inmitten der von Landwirtschaft dominierten Region. Darüber hinaus wird in den Thurauen auch noch geholzt. Ein zu hoher Wildbestand würde die Tiere, gerade das Schwarzwild, auf die Felder treiben oder in der Fegezeit, der Zeit, in der sich das Rehwild den Bast vom Geweih „fegt“,  dem Wald und vor allem den Jungbäumen zu stark zusetzen. Um alles in einer Balance halten zu können, muss jemand eingreifen: Der Jäger.

Ein tiefer Respekt vor Tier und Natur

Wir in der Schweiz haben das Glück, über eine sehr disziplinierte Jagdausbildung zu verfügen. Das haben auch die Junioren zu spüren bekommen. Neben etwaigem Fachwissen, was man sich als Jäger aneignen muss und einer eigenartigen traditionellen Sprache, dem Jägerlatein, welche an einem Fuchs und Wildschwein geübt wurde, ging es hauptsächlich um den Respekt vor Natur und Tier.

Ein Satz blieb uns allen an diesem Tag in Erinnerung: „Der Jäger hat die Pflicht, der gute Jäger ein inneres Bedürfnis, dass es dem Wildbestand in seinem Revier gut geht“. Das bedeutet, dass Krankheiten sich nicht ausbreiten können und schwache und leidende Tiere eben nicht lange leiden müssen: Die sog. «Pflege eines Wildbestandes». Willkürliches Herumschiessen auf Tiere gibt es eben doch nur im Kino.

Wie erkennt man eigentlich, ob «zu viele» Tiere im Gebiet sind? Nun, zum Beispiel durch einen starken Verbiss der Bäume, das Finden von viel Losung und Trittsiegeln. Was sind Unterschiede zwischen einem Gebiss eines Fleischfressers (eines Carnivoren) und eines Pflanzenfressers (eines Herbivoren)? Horn und Geweih… ist das eigentlich nicht dasselbe? Ist das Fell von Dachs und Fuchs ist das nicht ähnlich? Alle diese Fragen konnten am Mittwoch auf sehr verständliche Art und Weise durch Jäger Ramon beantwortet werden. Noch einmal vielen Dank dafür.

Wissen schafft Sicherheit

Vorweg: Es wurden keine Waffen von Unberechtigten in die Hand genommen und/oder geladen! Natürlich kann man ein Thema wie die Jagd nicht abschliessen, ohne über das Hauptwerkzeug des Jägers zu reden: Das Gewehr. In vielen Menschen, Kindern wie Erwachsene, löst das Wort und der Anblick erst einmal Schrecken aus, bei andern wiederum Neugier. Im Rahmen der Aufklärung war es mir ein Anliegen einmal über dieses Thema gesprochen zu haben. Es ist letzten Endes ein Instrument, was mit einem sehr hohen Mass an Verantwortung gehandhabt werden muss. Daher gab es für die Junioren die Möglichkeit diese Waffen einmal aus der Nähe zu sehen.

Warum gibt es eigentlich verschiedene Gewehre und verschiedene Munition? Welches eignet sich für welches Tier und warum? Wann darf scharf geschossen werden und was sagt eigentlich die Polizei dazu? Sind Pistolen erlaubt? Was macht man mit einem angeschossenen Tier, was weiterläuft? Gibt es Nachtjagd? Wie ist es mit Lärm in der Nähe von Dörfern? Jäger Ramon konnte kaum die eine Frage beantworten, bevor schon die nächste kam. Das Verlangen nach Aufklärung bei den Junioren war hoch und wieder konnte Ramon dies auf verständliche Weise befriedigen.

Für diesen wirklich spannenden Tag, für die viele Zeit, die er sich für uns genommen hat, danken wir von den Junior Rangern Thurauen Ramon ganz herzlich und wünschen ihm für den Oktober ein kräftiges Waidmannsheil.

Die Junior Ranger verabschieden sich vom Jäger Ramon und danken ihm für diesen spannenden Tag. Hab doch gesagt, es kommt noch Begeisterung in ihre Gesichter 🙂 .

So weit von uns. Alles Liebe von den Junior Rangern und Ranger Dario.

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