September 2026 | Daniel Lopez, Junior Ranger
Manchmal schenkt uns die Natur genau dann die schönsten Momente, wenn man sie nicht planen kann.
Am Mittwoch, 16. September 2026 traf sich unsere Junior-Ranger-Gruppe 1 um 13:45 Uhr beim Parkplatz Schützenhaus Grenchen-Bettlach. Geplant war ein Nachmittag zum Thema Haselmaus, Schläfer und wertvoller Waldrand. Mit dabei war Maurice D. Voyame von Heimlicher Jura, der uns als Fachperson begleitete. Die Haselmauskästen wurden im Auftrag von der Bürgergemeinde Bettlach und ProNatura aufgehängt.
Treffpunkt beim Parkplatz Schützenhaus
Nach einer kurzen Begrüssung stellten wir Maurice vor und erklärten den Kindern unseren Auftrag für den Nachmittag: Wir wollten herausfinden, was uns der Waldrand und die Haselmaus-Kästen erzählen können.
Schon am Vortag kam aber eine besondere Nachricht dazu. Iris meldete sich: Die Stiftung Wildstation Landshut in Utzenstorf hatte acht Siebenschläfer, die ausgewildert werden konnten. Damit war klar: Wenn alles passt, wartet am Schluss noch eine grosse Überraschung auf die Kinder.
Zuerst machten wir uns aber auf den Weg. Nach gut zwanzig Minuten Marsch erreichten wir den Waldrand beim Hofacker. Der Bergwind blies an diesem Nachmittag kräftig über die Krete. Es war sehr windig, aber noch im Rahmen. Bei stärkeren Böen hätten wir das Programm angepasst oder auf eine sichere Alternative gewechselt. So aber konnten wir draussen unterwegs sein – wach, aufmerksam und mit etwas Wind im Gesicht.
Aufstieg Richtung Hofacker / windiger Waldrand
Oben angekommen schauten wir uns zuerst den Waldrand genauer an. Ist ein guter Waldrand einfach eine gerade Linie zwischen Feld und Wald? Oder eher eine Treppe mit vielen Schichten?
Die Kinder entdeckten schnell: Ein wertvoller Waldrand hat Sträucher, Krautschicht, Bäume, Totholz, Beeren, Verstecke und Verbindungen. Genau solche Strukturen sind wichtig für viele Tiere – auch für Schläfer wie Haselmaus, Gartenschläfer oder Siebenschläfer.
Die Kinder lernen einen stufengerechter Waldrand
Danach lernten wir die einheimischen Schläfer kennen. Besonders im Fokus standen Haselmaus, Gartenschläfer und Siebenschläfer. Die vierte einheimische Schläferart in der Schweiz ist der seltene Baumschläfer.
Ein wichtiger Lerneffekt: Die Haselmaus ist biologisch gesehen keine «echte Maus», sondern gehört zu den Schläfern. Und diese Tiere machen ihrem Namen alle Ehre – sie halten einen langen Winterschlaf.
Dann wurde es praktisch. Gemeinsam öffneten wir den ersten Haselmaus-Kasten und schauten, was darin zu finden war. Dabei lernten die Kinder, dass diese Kästen anders aufgebaut sind als klassische Vogelnistkästen. Der Zugang ist zum Baum hin ausgerichtet. So sind die Kobel für Bilche gut erreichbar und gleichzeitig besser geschützt.
Maurice erklärt den Haselmaus-Kobel
Auch etwas anderes wurde klar: Die Kästen sind nicht einfach «Winterwohnungen». Für den Winterschlaf ziehen sich Haselmäuse und andere Schläfer oft bodennah zurück – gut geschützt in Laub, Moos, Asthaufen oder Baumstrünken. Genau hier entstand der nächste Aha-Moment: Asthaufen am Waldrand sind nicht einfach «aufgeräumtes Holz», sondern wertvolle Lebensräume und Rückzugsorte.
Mit Spachtel und Pinsel wurde der erste Kasten vorsichtig kontrolliert und gereinigt. Vor dem Entfernen von Material wurde dokumentiert und fotografiert. Solche Nachweise sind wichtig, damit man später besser versteht, ob und wie die Kästen genutzt wurden.
Anschliessend teilten wir uns in drei Gruppen auf. Iris, Hanspi und Dani gingen mit den Kindern zu verschiedenen Haselmaus-Kästen. Maurice begleitete, erklärte und half beim Einordnen der Funde.
Arbeit in Kleingruppen an den Kästen
In fast jedem Kasten fanden wir etwas: Nestmaterial, Spuren, Hinweise auf Vögel oder andere Mitbewohner. Auch das gehört zum Monitoring. Nicht jeder Kasten erzählt dieselbe Geschichte – und manchmal ist gerade die Frage spannend, wer wohl hier drin war.
Beim obersten Kasten wurde es dann plötzlich ganz still.
Beim Öffnen sahen wir zuerst Kotspuren und Nestmaterial. Es sah stark danach aus, dass ein Schläfer den Kasten genutzt hatte. Als Dani den kugelförmigen Kobel vorsichtig berührte, raschelte es plötzlich. Und dann schaute uns tatsächlich ein Siebenschläfer entgegen.
Für die Kinder war das ein riesiger Moment.
Blick in den Kasten / Siebenschläfer
Natürlich entschieden wir sofort: Dieser Kasten bleibt so, wie er ist. Kein Reinigen, kein weiteres Stören. Der Kobel wurde wieder geschlossen und aufgehängt. Beobachten heisst eben auch, Grenzen zu respektieren.
Unten am Waldrand machten wir anschliessend eine kurze Pause. Und dann kam die grosse Überraschung.
Dank Iris durften wir acht Siebenschläfer aus der Stiftung Wildstation Landshut auswildern. Ein Tier war bereits ausserhalb der Box und konnte von den Kindern besonders gut beobachtet werden. Die anderen sieben waren deutlich vorsichtiger. Sie blieben erst einmal zurückhaltend – und werden ihre neue Umgebung in ihrem eigenen Tempo kennenlernen.
Auswilderung Siebenschläfer
Hier zeigte sich auch Maurice’ Leidenschaft und Können. Mit seiner professionellen Kamera hielt er diese besonderen Augenblicke fest. Seine Bilder möchte ich euch nicht vorenthalten. Vielen Dank, Maurice, für das Zurverfügungstellen der Fotos.
Mehr Bilder und Einblicke in seine Wildtierfotografie findet ihr bei Heimlicher Jura.
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Fotos von Maurice / Siebenschläfer in der Umgebung
Auf dem Rückweg hängten wir an einem nahen Waldrand noch einen weiteren Haselmaus-Kobel auf. Vielleicht wird auch dieser Ort im nächsten Frühjahr von einem Schläfer entdeckt. Vielleicht bleibt er zuerst leer. Auch das werden wir beobachten.
Zum Schluss gab es noch ein paar kleine Abschlussspiele, bevor wir zurück beim Parkplatz ankamen. Windig war es geblieben. Aber auch schön. Sehr schön sogar.
Ein grosses Dankeschön geht an Maurice für seine Fachbegleitung, seine Geduld und seine wunderbaren Fotos. Danke auch an Iris und Hanspi für die wertvolle Unterstützung an diesem Nachmittag.

Schwegler Haselmauskasten
Für die Junior Ranger war es ein Nachmittag, der vieles zusammengebracht hat: Waldrand, Lebensraum, Spuren, Kästen, Schläfer, Verantwortung – und die Erfahrung, dass echte Naturbeobachtung nie garantiert ist, aber manchmal genau deshalb so besonders wird.
Entdecken. Verstehen. Schützen.

Treffpunkt beim Parkplatz Schützenhaus
Aufstieg Richtung Hofacker / windiger Waldrand
Die Kinder lernen einen stufengerechter Waldrand
Maurice erklärt den Haselmaus-Kobel
Arbeit in Kleingruppen an den Kästen
Blick in den Kasten / Siebenschläfer
Auswilderung Siebenschläfer
Fotos von Maurice / Siebenschläfer in der Umgebung