Junior Ranger UNESCO Bettlachstock – Frühlingsabenteuer zwischen Märliwald, Wildspuren und Teamgeist

Nach der ersten Junior Ranger Gruppe, die den Bettlachstock in den Herbstferien kennenlernen durfte, war nun in den Frühlingsferien die zweite Gruppe an der Reihe. Und obwohl der Frühling in den Tagen zuvor schon vorsichtig seine Fühler ausgestreckt hatte, fühlte sich der Bettlachstock an diesem Mittwoch, 15. April 2026, fast ein wenig nach Herbst an: Der Himmel war meist bewölkt, hohe und tiefe Wolken prägten das Wettergeschehen, dazu frischte der Wind immer wieder auf. Während im Tal milde 15 Grad gemessen wurden, lagen die Temperaturen auf dem Berg nur bei etwa 7 bis 8 Grad – also fast gleich wie bei der ersten Exkursion vom 1. Oktober.

Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die zwölfköpfige Gruppe traf sich pünktlich um 08.30 Uhr bei der Naturstation Brüelwald – motiviert, gut ausgerüstet und voller Vorfreude auf das wohl grösste Highlight im ersten Junior-Ranger-Jahr.

Der Start ins Abenteuer

Nach der Begrüssung erklärte Ranger Dani, was die Kinder an diesem Tag erwartete. Begleitet wurde er von dem erfahrenen Ranger Hanspi sowie von Forstwartin Anna. Nachdem sich die Kinder von ihren Eltern verabschiedet hatten, übernahm Dani das Steuer des Kleinbusses und manövrierte die Gruppe gekonnt hinauf Richtung Bettlachberg.

Der Start: Weisstanne, Regeln und erste Aufgaben

Schon die erste Station hatte es in sich: die mächtige Weisstanne. Anna erklärte den Kindern die wichtigsten Merkmale dieses eindrücklichen Baumes und zeigte, woran sich die Zapfen von jenen anderer Nadelbäume unterscheiden. So wurde gleich zu Beginn klar: Wer als Junior Ranger unterwegs ist, schaut genauer hin.

Anschliessend ging es weiter hinauf bis zum Restaurant Bettlachberg, wo die Gruppe eine kurze Trinkpause einlegte. Dort erklärte Dani den Kindern das UNESCO-Weltnaturerbe Bettlachstock, sprach über die Regeln unterwegs und machte deutlich, wie wichtig Rücksicht, Aufmerksamkeit und der Schutz dieses besonderen Gebietes sind.

Damit aus einer Gruppe ein echtes Team wird, wurden verschiedene Zuständigkeiten verteilt. In Zweiergruppen übernahmen die Kinder Verantwortung: als Spurenleser, Pflanzenbeobachter, Zeitmanagement-Gruppe, Fühl-dich-wohl-Gruppe, Rast-Gruppe oder als Zusammenfassungs-Gruppe, die am Ende des Tages die wichtigsten Eindrücke sammeln durfte. Dazu erhielt jedes Kind eine Karte, auf der bei den einzelnen Posten Stempel gesammelt werden konnten.

Karst, Märliwald und der Zaubertrank

Ein nächster Halt führte die Gruppe zum Karstbrunnen. Dort erfuhren die Kinder, dass Wasser im Juragebirge oft einen langen, verborgenen Weg zurücklegt – durch Ritzen, Spalten und ein richtiges unterirdisches Labyrinth, bis es irgendwann im Tal wieder zum Vorschein kommt. Was oben im Wald still und unscheinbar wirkt, ist unter der Erde also ständig in Bewegung.

Dann begann der Einstieg in den „Märliwald“, in die Kernzone des Bettlachstocks. Hier wurde seit mehr als 40 Jahren keine Waldwirtschaft mehr betrieben. Genau das macht diesen Ort so besonders: Der Wald darf sich weitgehend selbst entwickeln. Zwischen moosigen Steinen, alten Bäumen und weichen Waldböden wurde schnell spürbar, warum dieser Ort seinen märchenhaften Namen trägt.

Zur Stärkung der Truppe durfte natürlich auch der Waldmeister-Zaubertrank nicht fehlen. Mit neuer Energie zog die Gruppe weiter hinein in den Frühlingswald.

Frühling am Boden: Kräuter, Keimlinge und seltene Pflanzen

Während bei der Herbstgruppe die Pilze im Mittelpunkt standen, zeigte sich der Bettlachstock nun von seiner frühlingshaften Seite. Beim nächsten Posten suchten die Kinder kleine Bäume und junge Pflanzen – und entdeckten dabei, wie viel Leben jetzt am Waldboden steckt.

Bärlauch war überall zu finden, dazu Waldmeister, Schlüsselblumen und weitere typische Frühlingsboten. Besonders spannend wurde es bei Pflanzenarten wie dem Finger-Zahnwurz, der sogar Hinweise auf den Bodentyp geben kann. Auch seltene Arten wie die Weisse Nieswurz beziehungsweise der Weisse Germer wurden thematisiert. So wurde einmal mehr klar: Wer genau hinschaut, entdeckt im Wald weit mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Wildwechsel, Gämse und Adlerfarn

Mit grosser Motivation arbeitete sich die Gruppe weiter bergauf. Bei der nächsten Rast ging es um Wildwechsel – also jene Wege, die Tiere über längere Zeit immer wieder benutzen. Und tatsächlich: Frischer Kot der Gämse war gut zu erkennen. Offenbar waren die Tiere erst wenige Stunden zuvor hier unterwegs gewesen. Sofort wurde spekuliert, ob vielleicht auch ein Luchs durch dieses Gebiet streift – passend zu jenem Tier, das auf der Gebietsfahne der Junior Ranger abgebildet ist.

Wenig später erreichte die Gruppe eine offene Matte. Dort erklärte Hanspi den Adlerfarn, der den Kindern eindrücklich in Erinnerung blieb. Einst, vor Millionen von Jahren, waren Farne tatsächlich baumhoch – lange bevor Menschen diese Landschaft durchstreiften. Solche Gedanken liessen die Kinder staunen und zeigten einmal mehr, wie alt und faszinierend die Geschichte unserer Pflanzenwelt ist.

Eine Buche wie ein Tintenfisch

Kurz vor der offiziellen Brätlistelle wartete noch ein ganz besonderer Baum auf die Gruppe: eine Buche mit auffallend langen Ästen, die sich fast wie die Arme eines Tintenfischs in alle Richtungen ausstreckten. An diesem Beispiel erklärte Ranger Dani den Unterschied zwischen Druck- und Zugholz – also wie Bäume auf Belastungen reagieren und sich im Laufe der Jahre stabilisieren.

Dazu gab es eine praktische Übung in Zweiergruppen: Die Kinder konnten mit Schieben und Ziehen selbst ausprobieren, welche Kräfte auf einen Baum wirken und was es braucht, damit ein solcher Riese trotz Wind, Hanglage und Schwerkraft sicher stehen bleibt. Lernen mit dem eigenen Körper – und mitten in der Natur.

Mittagspause mit Überraschung

An der Brätlistelle angekommen, wurde das mitgebrachte Brennholz fachgerecht angezündet. Schon bald brutzelten Cervelats über dem Feuer, und auch Marshmallows durften natürlich nicht fehlen. Nach dem Aufstieg war die Freude über die Mittagspause entsprechend gross.

Für einen besonderen Höhepunkt sorgte dann eine Beobachtung aus der Ferne: Mit dem mitgebrachten Fernrohr konnte die Gruppe tatsächlich eine Gämse beim Grasen entdecken. Ein stiller, aber eindrücklicher Moment, der bei den Kindern für grosses Staunen sorgte. Solche Begegnungen sind nie planbar – und gerade deshalb so wertvoll.

Bevor es weiter zur Aussicht ging, machte die Gruppe im Kreis noch einige Aktivierungsspiele. Hanspi erzählte anschliessend, was früher auf dem Berg gestanden hatte: ein Bauernhof, der später abgebaut und schliesslich mit Dynamit gesprengt wurde. Heute erinnern nur noch Spuren und Geschichten an diese frühere Nutzung.

Aussicht, Felssturz und Schutzwald

Bei der Aussichtsplattform zeigte sich trotz des bewölkten Wetters eine schöne Weitsicht. Der Bielersee war zu erkennen, ebenso die Wandfluh – und auch jene Stelle, an der es am 7. Januar 2026 zu einem Felssturz gekommen war. Die Abbruchstelle war gut sichtbar.

Dani und Hanspi nutzten diesen Ort, um den Kindern die wichtige Funktion des Schutzwaldes zu erklären. Denn der darunterliegende Wald hatte dazu beigetragen, Schlimmeres zu verhindern. So lernten die Junior Ranger ganz konkret, was Schutzwald bedeutet: Er schützt nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Wege, Gebäude und Menschen im Tal und am Berg.

Natürlich durfte an diesem besonderen Ort auch das obligatorische Gruppenfoto mit der Gebietsfahne nicht fehlen.

Ameisen, Forschungsarbeit und ein besonderer Moment mit der Mauereidechse

Der Rückweg führte über die ehemalige Forststrasse wieder talwärts. Unterwegs beobachtete die Gruppe während einiger Minuten einen Ameisenhaufen und konnte das geschäftige Verhalten dieser kleinen Waldarbeiter ganz aus der Nähe verfolgen – ruhig, konzentriert und mit viel Interesse.

Später trafen die Junior Ranger beim Stockmätteli auf drei Studierende der ETH, die im Zusammenhang mit den langjährigen Forschungsarbeiten am Bettlachstock unterwegs waren. Die Forschungsstation der WSL untersucht hier seit vielen Jahren den Zustand des Waldes und seine Reaktion auf verschiedenste Einflüsse. Für die Kinder war schnell klar: Wenn Hilfe gebraucht wird, packen Junior Ranger mit an. Kurzerhand halfen sie mit, Holzelemente nach unten zum Fahrzeug zu tragen – ein starkes Zeichen von Teamwork und Einsatzbereitschaft.

In diesem Moment wurde auch eine Mauereidechse entdeckt. Vermutlich aus Stress warf sie ihren Schwanz ab – und dieser zuckte auf der Hand von Dani noch mehrere Minuten weiter. Für die Kinder war das ein eindrücklicher Moment. Gleichzeitig bot er eine wichtige Lernchance: Mauereidechsen können bei Gefahr ihren Schwanz gezielt abwerfen. Der zappelnde Schwanz lenkt mögliche Feinde ab, während das Tier flüchten kann. Später wächst der Schwanz zwar wieder nach, doch das kostet viel Energie. Die Natur kennt also erstaunliche Überlebensstrategien.

Waldföhren, Gleitschirm und Stein-Challenge

Bevor es endgültig zurückging, führte der Weg nochmals auf die Krete beim Stockmätteli. Dort schaute sich die Gruppe die Waldföhren an – echte Lebenskünstler, die mit trockenen Böden, Wind und schwierigen Wetterbedingungen zurechtkommen müssen. Ihre Wuchsformen erzählen von Jahrzehnten, manchmal sogar Jahrhunderten im Kampf mit den Elementen.

Dann gab es noch einen unerwarteten Besuch aus der Luft: Ein Gleitschirmsegler näherte sich der Gruppe, und die Kinder winkten ihm begeistert zu. Solche kleinen Begegnungen machen einen ohnehin reichen Tag oft noch unvergesslicher.

Mit den Holzelementen auf dem Weg nach unten wartete schliesslich noch eine Gruppen-Challenge: Welche Gruppe baut den höheren und stabileren Steinturm? Mit viel Ehrgeiz, Geschick und Teamarbeit entstanden zwei eindrückliche Bauwerke direkt am Weg.

Abschluss unter der grossen Linde

Beim letzten Posten, dort wo Dani den Kleinbus parkiert hatte, versammelte sich die Gruppe noch einmal unter der grossen Linde. Gemeinsam liessen die Kinder den Tag Revue passieren. Es war ein Tag voller Eindrücke: geheimnisvolle Wälder, seltene Pflanzen, Wildspuren, eine Gämse im Fernrohr, Teamaufgaben, Forschungsarbeit, Tierbeobachtungen und viel gemeinsames Erleben.

Mit müden Beinen, aber vielen schönen Erinnerungen im Gepäck, kehrte die Gruppe am späteren Nachmittag zur Naturstation Brüelwald zurück.

Fazit

Die Frühlings-Exkursion der Junior Ranger Gruppe 2 auf dem Bettlachstock hat einmal mehr gezeigt, wie viel in einem einzigen Tag steckt, wenn Kinder draussen unterwegs sind: entdecken, staunen, lernen, mithelfen und als Gruppe zusammenwachsen.

Ob bei der Weisstanne, im Märliwald, beim Beobachten der Frühlingspflanzen, an der Brätlistelle, beim Blick zur Wandfluh oder beim Helfen für die Forschung – überall wurde sichtbar, was die Junior Ranger ausmacht: offene Augen, Neugier, Verantwortung und Freude an der Natur.

Ein kalter Frühlingstag auf dem Berg wurde so zu einem warmen Erlebnis für alle Beteiligten.

Hinterlasse einen Kommentar