Junior Ranger UNESCO Bettlachstock – Waldarbeit erleben: Zwei Nachmittage, zwei Jahreszeiten

Wir haben die Junior Ranger einmal ins neue Jahr zurückgeholt: kurz „Hallo 2026“, kurz zurückschauen, was im letzten Jahr hängen geblieben ist – und natürlich der
Wintercheck: Wer war auf den Ski? Wer auf dem Snowboard? Wer draussen, egal bei welchem Wetter?

Spoiler: Die meisten waren sportlich unterwegs. Und genau so unterschiedlich wie ihre Wintererlebnisse waren auch unsere zwei Junior-Ranger-Nachmittage.


18. Februar fühlte sich nach Winter an

25. Februar plötzlich nach April.

18. Februar: Kalt, winterlich – und genau richtig für den Einstieg

Am 18. Februar hat uns das Wetter ziemlich klar gezeigt, wer hier das Sagen hat: kalt, winterlich, „ich bleib lieber kurz drin“. Deshalb fand Start, Theorieblock und
Abschluss in den Innenräumen der Naturstation statt – der Inhalt draussen blieb aber derselbe.

Wir haben uns zuerst den grossen Fragen gewidmet, die fast jedes Kind irgendwann stellt:

Warum wird überhaupt geholzt?
Kann man einfach irgendeinen Baum fällen?

Hier war mir wichtig, dass die Kinder spüren: In der Schweiz ist die Waldbewirtschaftung streng geregelt. Holzschläge erfolgen geplant und mit klaren Zielen – damit der
Wald langfristig gesund und stabil bleibt. Anhand von Illustrationen machten wir auch einen Sprung zurück in die Vergangenheit. Früher war Holzarbeit harte Handarbeit:
mit Axt, Zwei-Mann-Säge und Pferderückung. Die Kinder staunten nicht schlecht, wie streng diese Arbeit damals war.

Förderverein Forstmuseum Ballenberg FFMB

Förderverein Forstmuseum Ballenberg FFMB
Quelle: Föderverein Forstmuesum Ballenberg

Heute helfen Motorsäge und moderne Technik. Trotzdem bleibt Waldarbeit anspruchsvoll – und sie verlangt höchste Konzentration und klare Sicherheitsregeln.

🌱 25. Februar – fast schon Aprilgefühle

Nur eine Woche später zeigte sich ein ganz anderes Bild: über 15 Grad, viel Sonne und eine Stimmung wie im Vorfrühling.

Dieser starke Wetterwechsel war für die Kinder direkt spürbar. Genau solche Gegensätze machen Naturbeobachtung spannend – und zeigen, wie dynamisch die
Natur im Spätwinter sein kann.


Warten gespannt...

Phänologie unterwegs

Bevor wir zum Holzschlag gingen, machten wir unseren kurzen Abstecher zu den Beobachtungspflanzen.

Die Fragen an die Junior Ranger:

  • Was hat sich seit dem Herbst verändert?
  • Was bedeutet Winterruhe für Pflanzen?

Beim Haselstrauch konnten beide Gruppen bereits erste Vorfrühlingszeichen entdecken. Bei der zweiten Gruppe waren zusätzlich einzelne Pflanzen wie der Schwarze
Holunder schon weiter in der Entwicklung.

So wurde sichtbar: Der Kalender zeigt Februar – aber die Natur reagiert sehr fein auf Temperatur und Witterung.


Beginn Knospung bei der Schwarze Holunder

Holzschlag live: nicht „Baum um“, sondern Schritt für Schritt

Und dann ging’s zum Herzstück: Holzschlag live im Brüelwald, in Fussweite der Naturstation – begleitet von zwei erfahrenen Forstleuten vom Forstbetrieb Leberberg:
Manfred Leimer und Edi von Burg.

Der Ort passt: Der Brüelwald war 2024 Austragungsort der Solothurner Waldtage – ein Gebiet, wo man Wald als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum eben nicht nur
„erzählt“, sondern zeigen kann. Und ja: dort waren es 31 Themenposten.

Was die Kinder dann erlebt haben, war genau das, was man in keinem Buch so versteht wie vor Ort:

  • Baum ansprechen: Was muss ich wissen, bevor ich überhaupt etwas mache?
  • Rückegasse: Warum es diese Wege gibt und wieso man nicht kreuz und quer fährt.
  • Fallkerbe / Fällschnitt / „Scharnier“: Wie man einen Baum lenkt – nicht „hofft“.
  • Fällband/Keile als entscheidende Hilfe im Ablauf.

Euer Beobachtungsauftrag („Sicherheit, Werkzeuge, Vorbereitung, Moment des Fällens, was danach passiert“) hat den Kindern eine klare Rolle gegeben:
Sie waren nicht nur dabei – sie waren Waldarbeits-Detektive.

Und dann kam dieser Moment, den viele nie vergessen:
Die Fallrichtung wurde gemeinsam kontrolliert (Doppelmeter / Peilung), die Spannung stieg – und der Baum lag mit minimaler Abweichung dort, wo er sollte.
Dieses „Wow“ ist unbezahlbar.


Gruppe 1 bei der Fällrichtung Kontrolle.

Gruppe 2 ebenso

Warum genau dieser Baum?

Wichtig war uns auch die Frage nach dem Warum.

Die Kinder verstanden: Ein Holzschlag ist kein Zufall. In unserem Fall ging es darum, benachbarten Bäumen – insbesondere der Eiche – mehr Licht und Raum
zum Wachsen zu geben.


Begutachten der getaner Arbeit

Beim anschliessenden Blick auf das Stockbild zählten die Junior Ranger die Jahresringe und stellten fest: Baumdicke und Baumalter sind nicht immer dasselbe.

Zum Abschluss schnitt Manfred für jedes Kind eine Baumscheibe – ein Stück Wald zum Mitnehmen.


Forstwart Manfred Leimer erzählt die Jahresringe

Zurück bei der Naturstation

Zurück bei der Naturstation liessen wir die Erlebnisse gemeinsam Revue passieren:

Was ist euch aufgefallen?
Was hat euch überrascht?
Was nehmt ihr mit?

Die Antworten zeigten deutlich: Die Kinder hatten nicht nur zugeschaut – sie hatten verstanden.


Gruppe 1 zurück in der warmen Stube beim Revue passieren.

Fazit

Ob bei winterlicher Kälte oder frühlingshafter Sonne – beide Gruppen konnten hautnah erleben, wie durchdacht und verantwortungsvoll Waldarbeit heute funktioniert.


Die Jahresringe werden gezählt.

Genau das ist das Ziel unseres Junior Ranger Programms:
nicht nur sehen, sondern verstehen.

Und manchmal auch mit einer Baumscheibe in der Tasche nach Hause gehen.


Die Holzscheiben können nach Hause genommen werden.

Bis bald im Wald,
Euer Ranger Dani

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